Die Goldbullen jubilieren. Immerhin hat der Goldpreis mittlerweile die Marke von 1.800 US-Dollar pro Unze genommen und notiert auf dem höchsten Stand seit fast neun Jahren. Selbst das Allzeithoch aus dem Jahr 2011 von 1.920 US-Dollar scheint wieder in Reichweite zu rücken, schreibt Uwe Burkert, Chefvolkswirt und Leiter Research der LBBW in einer aktuellen Kurzanalyse.

Getrieben wurde der Goldpreis zuletzt von den anhaltenden Corona-Ängsten, der gestiegenen Nachfrage nach Münzen und Barren und vor allem von den Käufen der physisch hinterlegten ETCs (Exchange Traded Commodities, die vielfach auch als "Papiergold" bezeichnet werden). Deren Goldbestände stiegen im laufenden Jahr bereits um gut 26 Prozent oder fast 680 Tonnen. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2019 nahmen die Gold-Bestände der ETCs lediglich um 360 Tonnen zu. "Sofern die ETCs das Tempo ihrer Käufe aufrechterhalten können, scheint es nur eine Frage der Zeit, wann das Allzeithoch bei Gold geknackt wird!", prognostiziert Burkert.

Ein wichtiger Nachfragefaktor bricht ein
Allerdings gibt es laut Burkert noch ein paar Stolpersteine auf dem Weg zum neuen Rekord. So dürfte die Nachfrage nach Gold-Schmuck in diesem Jahr sehr schwach ausfallen. Alleine im Juni brachen die Goldimporte im wichtigsten Nachfrager-Land Indien gegenüber dem Vorjahresmonat um 86 Prozent auf nur noch elf Tonnen ein. Die Schmucknachfrage machte 2019 immerhin rund 45 Prozent der gesamten Goldnachfrage aus.

Die Notenbanken hatten im Jahr 2019 ihre Goldbestände noch um fast 600 Tonnen aufgestockt und waren damit für rund 14 Prozent der Gesamtnachfrage verantwortlich. Vor dem Hintergrund der Corona-Krise sollten für die Zentralbanken aber momentan ganz andere Themen dringlicher sein als die Fortsetzung ihrer Goldankaufprogramme. Daneben dürfte die industrielle Nachfrage, die im letzten Jahr mit 375 Tonnen für neun Prozent der Gesamtnachfrage verantwortlich war, im laufenden Jahr unter der schwachen Konjunktur leiden.

Fällt das Allzeithoch?
Der Aufwärtstrend bei Gold sei Burkerts Einschätzung nach weiter intakt, und die ungebremste Nachfrage der ETCs eröffnet durchaus weiteren Spielraum nach oben. Allerdings sollte der Appetit nach dem Edelmetall von Seiten der Notenbanken, der Industrie und der Schmuckbranche Corona-bedingt deutlich gebremst werden – und diese stehen immerhin für rund zwei Drittel der Gesamtnachfrage. "Ein rascher Vorstoß auf das Allzeithoch dürfte beim Goldpreis damit erschwert werden. Wahrscheinlicher ist es, dass sich die Gold-Bullen vorerst in die Sommerpause verabschieden!", prognostiziert Burkert abschließend. (aa)