Trotz durchwegs positiver Jahreszahlen mussten einige der "Glorreichen Sieben" (Tesla, Meta, Alphabet, Amazon, Apple, Microsoft und Nvidia) nach der Veröffentlichung ihrer Ergebnisse Kurseinbrüche hinnehmen. Manchen Anlegern schien das Wachstum nicht stark genug zu sein. Doch von diesen negativen Kurzschlussreaktionen sollte man sich nicht verunsichern lassen, meint Ernst Konrad, Geschäftsführer und Lead Portfoliomanager bei Eyb & Wallwitz. Die "Glorreichen Sieben" hätten auch in diesem Jahr gute Chancen, ihren Erfolgskurs fortzusetzen, prognostiziert Konrad in einem aktuellen Kommentar.

Dafür, dass trotz positiver Zahlen bei einigen der "Magnificent Seven" die Aktienkurse fielen, gebe es durchaus Gründe, führt Konrad aus. "Diese Unternehmen haben eine sehr starke Positionierung in einem eher schwierigen Markt. Diese Position führt zu sehr hohen Erwartungen, bei denen jedes Haar in der Suppe zu negativen Reaktionen führt." Anleger sollten sich von solchen Börsenreaktionen aber nicht abschrecken lassen. "Das Schielen auf Quartalsberichte ist etwas kurzsichtig. Unternehmen wie Alphabet oder Microsoft sind attraktiv, weil sie gute Geschäftsmodelle aufweisen und von nachhaltigen Wachstumstrends profitieren. In welchem Quartal das Wachstum besonders stark ausfällt, ist dabei eher nebensächlich."

Erinnerungen an Joseph Schumpeter – KI als Kurstreiber
Die "Glorreichen Sieben" hätten besonders stark vom Wachstumstrend künstliche Intelligenz profitiert, erläutert Konrad. Gut erklären lasse sich dies mit der Theorie des österreichischen Nationalökonomen Joseph Schumpeter: Dieser erkannte im frühen 20. Jahrhundert, dass die gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung auf das Handeln dynamischer Unternehmer zurückzuführen sei. "Diese Herausforderer setzen Innovationen durch, können Pioniergewinne erzielen und für höheres gesamtwirtschaftliches Wachstum und technischen Fortschritt sorgen."

Dabei nutzen Firmen wie Meta, Microsoft oder Alphabet ihre besondere Stellung als "disruptive Monopolisten". Während die Unternehmen beim Thema KI allesamt Herausforderer sind, die um eine Vormachtstellung kämpfen, profitieren sie von ihren Monopolstellungen in anderen Bereichen. "Durch ihre guten Geschäftsmodelle haben die großen Tech-Firmen tiefe Taschen, mit denen sie deutlich stärker in Innovationen wie die KI investieren können, als es kleineren Unternehmen möglich ist." Das sähen auch die Anleger, entsprechend groß sei ihr Vertrauen in die Tech-Riesen.

Etablierte Geschäftsmodelle und andere Profiteure
Das Geschäftsmodell mit der KI sei besonders interessant, weil es sich leicht mit den bereits etablierten Geschäftsfeldern vieler Tech-Riesen verbinden lasse. Meta und Alphabet haben Zugang zu riesigen Datenmengen, mit denen eine KI trainiert werden kann. Microsoft stellt schon jetzt einen großen Teil der Recheninfrastruktur für Unternehmen wie OpenAI mit ihrer KI ChatGPT, und Nvidia baut Chipsätze für die Rechenprozesse. Apple, Alphabet und Microsoft kontrollieren den Markt der Endgeräte und -nutzer, auf denen das Potenzial für KI besonders hoch ist. Es gibt also große Synergien mit den bereits etablierten Geschäftsmodellen.

Auch wenn aktuell vor allem die "Magnificent Seven" vom Wachstumstrend KI profitieren, könnte sich das Wertschöpfungspotenzial am Ende an ganz anderer Stelle materialisieren, so Konrad. "Anleger sollten sich bewusst machen, dass KI auch in anderen Sektoren ihr Potenzial für schöpferische Zerstörung entfalten kann. Der Staffelstab der Wertschöpfung wird von den Enablers an die Adopters weitergereicht werden." Am Ende könnten also gerade jene Unternehmen profitieren, die besonders gewinnbringende Anwendungsbereiche für die KI finden und erschließen.

Nötige Rechenkapazitäten
Ein anderer Sektor voller Monopolisten sei die Herstellung der nötigen Rechenkapazitäten und Mikrochips. Egal welche KI sich am Ende etabliert, sie wird enorme Rechenkapazitäten benötigen. Unternehmen wie TSMC, Nvidia oder ASML, die in ihren jeweiligen Bereichen der Chipherstellung marktführende Rollen einnehmen, hätten damit auch ein besonderes Potenzial, vom KI-Trend zu profitieren. "Diesen Unternehmen kann es am Ende des Tages egal sein, welche KI sich durchsetzt, denn jede wird die Nachfrage nach neuen, leistungsfähigeren Chips gleichermaßen befeuern."

"Die 'Glorreichen Sieben' werden weiter Wachstumstreiber bleiben", meint Konrad. "In einer schwierigen Konjunkturphase, die von Volatilität und geopolitischen Unsicherheiten geprägt ist, stellt nachhaltiges Wachstum ein knappes Gut dar. Vor diesem Hintergrund ist die auch auf den ersten Blick hohe Bewertung zu relativieren." Die enormen Gewinne seien ein weiteres Zeichen für die Robustheit und Nachhaltigkeit der Geschäftsmodelle. "In näherer Zukunft gibt es vermutlich einfach keine Herausforderer, die mit einer solchen Marktmacht mithalten können, und das dürfte sich auch im Aktienkurs widerspiegeln." (aa)