FONDS professionell Österreich, Ausgabe 4/2023

LLB IMMO KAG Anteilsrücknahme gestoppt Die Immobilienwirtschaft lieferte in den vergangenen Monaten unzählige aufsehenerregende Schlagzeilen. En- de Oktober schockte die LLB Immo KAG die Branche mit der folgenden Mitteilung: „Zur Sicherstellung der ordnungsgemäßen laufenden Bewirt- schaftung zum Schutz der Anleger ist die Auszahlung des Rückgabeprei- ses von Anteilen des LLB Semper Real Estate Immobilienfonds begin- nend mit 23.10.2023 für die Dauer von bis zu 12 Monaten ausgesetzt.“ Der 2004 aufgelegte Fonds ist einer der ältesten in seiner Produktkatego- rie. Er ist auf Investitionen in deut- sche und österreichische Gewerbe- immobilien, allen voran in den Seg- menten Einzelhandel, Büro, Hotel und Logistik, ausgerichtet. Zum 30. Juni 2023 bestand das Portfolio aus 53 Objek- ten, die zusammen über 512.000 Quadrat- meter Miet äche verfügen. Die Vermie- tungsquote lag bei knapp 96 Prozent, die durchschnittlich gewichtete Restlaufzeit der Mietverträge betrug laut LLB rund zehn Jahre. Auf der Immobilienseite gab es also keine o ensichtlichen Probleme. Allerdings zogen die Anleger im ersten Halbjahr so viele Mittel ab, dass das Fondsvolumen per Ende Juni um 271 Millionen Euro auf 817 Millionen Euro gesunken war. Infolgedes- sen begann das Fondsmanagement im Frühjahr „im Rahmen eines strategischen Portfoliobereinigungsprozesses“ Immobi- lien zu veräußern, um den steigenden Liquiditätsbedarf abzudecken. In der gegenwärtigen Marktsituation sind die Prozesse aufwendiger und langwieriger, weshalb sich Transaktionen über Monate hinziehen. „Ich möchte betonen, dass wir keine ‚Fire Sales‘ durchführen, sondern die Immobilien nur zum Schätzwert oder darüber verkaufen. Denn das Portfolio ist gut und kerngesund“, erklärt LLB-Ge- schäftsführer Louis Obrowsky. Anfang September schien sich die Situa- tion beruhigt zu haben. „Aber imOktober sind die Mittelab üsse wieder extrem stark gestiegen“, berichtet Obrowsky. Treibender Faktor sei ein „Medienbericht über Immo- bilien, der gar nichts mit uns zu tun hatte“, gewesen. Ende Oktober stand das Fondsvolumen nur noch bei 697 Millionen Euro. Das Im- mobilienvermögen beträgt etwa 1,1 Mil- liarden Euro.Durch die Verkäufe passt LLB die Portfolio- an die Fondsgröße an. Aller- dings hält man nicht mit dem Tempo der Mittelab üsse mit: Bis Ende Oktober wur- den sieben Immobilien „über dem Schätz- wert“ für insgesamt 115 Millionen Euro verkauft. Davon waren 65 Millionen Euro unterschrieben, aber noch nicht bezahlt. Durch die Aussetzung der Auszahlungen an die Anleger hat LLB die Möglichkeit, die Transaktionen in Ruhe abzuwickeln und die Liquidität zu ordnen. ERSTE IMMOBILIEN Versicherung schnappt sich Portfolio in Wien Die Wiener Städtische Versicherung erwarb im Oktober fünf Immobilien mit vorwie- gender Wohnnutzung. Das Portfolio be n- det sich in Wien und besteht aus rund 7.340 Quadratmeter Nutz äche. Verkäufer ist der Erste Immobilienfonds, der sich dem Vernehmen nach aus strategischen Gründen von den Objekten getrennt hat, um die Veräußerungserlöse in „neue, nach- haltig orientierte Projekte“ zu investieren. Über den Verkaufspreis wurde Stillschwei- gen vereinbart. Das Portfolio des rund 2,2 Milliarden Euro schweren o enen Immo- bilienfonds besteht zurzeit aus 82 österrei- chischen und deutschen Immobilien. IMMOBILIENRENDITEN Berlin schlägt Wien Der Immobiliendatenanbieter Pricehubble verö entliche Anfang Oktober eine Studie über die Rendite von Wohnimmobilien in Städten der DACH-Region. Dabei wurden die Medianwerte der aktuellen Mieten und Kaufpreise gegenübergestellt. 14 deutsche und ein österreichischer Stadtteil be nden sich in den Top 15 der renditestärksten Bezirke der untersuchten Großstädte im DACH-Raum. Spitzenreiter ist der Stadtteil Neu-Hohen- schönhausen in Berlin mit einer Rendite in Höhe von 4,99 Prozent, gefolgt von Ber- lin-Niederschöneweide (4,85 Prozent). Den dritten Platz errang der Grazer Bezirk Gries mit 4,83 Prozent.Damit führt die steirische Landeshauptstadt innerösterreichisch über- legen vor Wien, Salzburg und Innsbruck. Aus der Studie geht hervor, dass im Ver- gleich zu 2022 überall die Mieten gestiegen sind, während die Kaufpreise teilweise nach unten gingen. Bei den Durchschnittswerten für die gesamten Städte führen Graz (3,86 Prozent), Köln (3,64 Prozent) und Frank- furt (3,25 Prozent) die Liste an. FP FP FP Louis Obrowsky, Geschäftsführer der LLB Immo KAG, hat Stress mit dem Immobilienfonds Semper Real Estate. Zurzeit können die Anteilsrückgaben nicht bedient werden. NEWS & PRODUCTS Sachwerte FOTO: © LLB IMMO KAG 40 fondsprofessionell.at 4/2023

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