FONDS professionell Österreich, Ausgabe 1/2023

dass wir Starmanager wie Klaus Kaldemor- gen oder Thomas Schüßler brauchen. Aber kaum jemand erwartet, dass aktive Aktien- und Multi-Asset-Fonds auch auf Dauer exorbitante Mittelzu üsse generieren wer- den. Wir haben uns deshalb nach künfti- gen Wachstumsfeldern umgeschaut: Das sind alternative Investments und passive Produkte der Marke Xtrackers. Auch bei Anleihen können wir noch mehr heraus- holen. Bei alternativen Investments haben wir 2022 Mittelzu üsse gesehen. Ausgerechnet bei passiven Investments zogen Investoren 2022 jedoch Geld von der DWS ab. Das war angesichts der Berichterstattung über uns im vergangenen Jahr nicht ver- wunderlich.Denn bei aktiven Fonds ziehen Namen wie Concept Kaldemorgen oder Top Dividende. Im passiven Geschäft sieht das anders aus: Wenn Anleger mehrere ähn- liche Produkte zur Auswahl haben, dann ist negative Berichterstattung nicht hilfreich. Gleichwohl rangieren wir mit Xtrackers in Europa unter den Top Drei, sind breit auf- gestellt und zählen zu den Brot-und-Butter- Anbietern. In Nordamerika sehen wir aber noch größeres Potenzial für uns. Die Konkurrenz dort ist jedoch größer. Wie wollen Sie da Marktanteile erobern? Wir sind realistisch: Der Markt mit ETFs auf Standardindizes wie den S&P 500 ist verteilt, und die Platzhirsche in den USA werden wir kaum überholen.Wir fokussie- ren uns deshalb vielmehr auf maßgeschnei- derte Passivprodukte. Das können Speziali- täten wie chinesische Aktien sowie risiko- adjustierte oder währungsangepasste Stra- tegien oder auch aktive ETFs sein. Wir verfügen über ein sehr gutes Team, das mit unseren aktiven Managern zusammen- arbeitet und das Thema vorantreibt. Andere Bereiche wollen Sie hingegen ver- kaufen oder taten dies schon. Warum? Wir haben uns im vergangenen Jahr inten- siv mit der Frage beschäftigt, wie wir uns für die Zukunft des Asset Managements aufstellen müssten. Denn die Bedürfnisse der Kunden, die Vertriebskanäle, die Markt- gegebenheiten werden sich ändern. Des- halb haben wir uns von Geschäftsberei- chen getrennt, etwa von unserem Direkt- geschäft, das an die Fondsplattform Mor- genfund ging, sowie von unserem Private- Equity-Sekundärgeschäft. Dabei handelt es sich um exzellente Geschäftsfelder. Aber wir hätten viel investieren müssen, um dort wirklich führend zu werden. So haben wir diese Bereiche in Hände gegeben, in denen sie besser gedeihen können. Zudem haben wir klar gesagt, dass wir das Geld für neue Wachstumsfelder selbst erwirtschaften wol- len – und zwar durch Kostenmaßnahmen gleich zu Beginn unserer Reise. Auch Führungskräfte mussten gehen. Es gab Abgänge, das stimmt, sowohl eher prominente Gutverdiener als auch auf den Ebenen darunter. Zum Teil weil der Ruhe- stand bevorstand oder weil wir die Über- gabe des Staffelstabs an die nächste Gene- ration sicherstellen wollten. Die Gehälter, die wir damit sparen, können wir an ande- rer Stelle wieder einsetzen. Heißt das, Sie planen einen Stellenabbau? Nein, die Zahl der Mitarbeiter wird eher steigen, aber eben in Bereichen, wo wir Wachstumschancen sehen. Dazu zählen neben den erwähnten Investmentfeldern auch Vertrieb und Marketing sowie das Digitale. Zudem möchten wir die Teams diverser und interdisziplinärer aufzustellen. Wie meinen Sie das? Wenn ein Team nur aus Männern um die 50 besteht, dann tendiert die Gruppe dazu, in die gleiche Richtung zu denken.Das gilt übrigens für alle homogenen Gruppen. Doch wenn Menschen mit unterschied- lichem Hintergrund, Alter, Ausbildung und Erfahrung sowie verschiedene Ge- schlechter zusammenarbeiten, dann ent- springen daraus neuen Ideen. Sie erwähnten Einstellungen im Vertrieb. Wie genau wollen Sie diesen ausbauen? » Die Platzhirsche in den USA werden wir kaum überholen. « Stefan Hoops, DWS FOTO: © CHRISTOPH HEMMERICH VERTRIEB & PRAXIS Stefan Hoops | DWS 190 fondsprofessionell.at 1/2023

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