FONDS professionell Österreich, Ausgabe 1/2022

das Investmenthaus Dimensional Fund Advisors lotete in Untersuchungen aus, welche Effekte sich bei Anpassungen eines Barometers einstellen. Auch diese Ana- lysten kamen zu dem Ergebnis, dass eine gewisse Flexibilität der Aktienkäufe um den Umstellungstermin herum der Per- formance zuträglich sei. Mit Gelassenheit begegnet Kai Hattwich, Portfoliomanager der Quirin Privatbank, dem Thema Frontrunning. Für so manche der von Li zutage geförderten Phänomene führt Hattwich gute Gründe an. „ETFs handeln bei Indexumstellungen nur zu den Schlusskursen“, so der Portfoliomana- ger. „Der Schlusshandel ist sehr liquide. Hier geht also wenig zulasten des ETFs verloren.“ Spannender sei die Phase zwi- schen Ankündigung der Indexumstellung und der Aufnahme in eine Benchmark. „Hier kann es durchaus zu Kursaufschlä- gen bei dem Anwärtertitel kommen“, führt der ETF-Experte aus. „An dieser Stelle er- öffnet sich durchaus noch Raum für eine Optimierung.“ Anderer Schwerpunkt Gleichwohl schränkt Hattwich ein: „Letztlich wird es sich nie vollkommen vermeiden lassen, dass Akteure bei Bench- mark-Anpassungen aufsprin- gen und diese Konstellation nutzen. Die Indexregeln sind transparent. Die Problemstel- lung lässt sich nicht systema- tisch lösen.“ Zudem verweist der Marktkenner darauf, dass die Indexfondsmanager eine andere Kenngröße in den Mittelpunkt rücken: die Ab- weichung vom Index, auch Tracking Error genannt. „Grundsätzlich optimieren die ETF-Anbieter eher mit Blick auf die Abweichung vom Index und nicht hinsichtlich der Transaktionskosten.“ Dies sei in der Branche Usus. Denn würde ein Indexfondsmanager tatsächlich vor oder auch erst nach dem Stichtag zur Umstellung des zugrunde lie- genden Barometers seine Käufe tätigen, würde eine Abweichung zum zugrunde liegenden Barometer entstehen. „Wenn der Portfoliomanager eines ETFs das Zeitfens- ter bis zur Indexaufnahme ausschöpfen würde, kann sich ein Tracking Error groß wie ein Scheunentor auftun“, formuliert es Hattwich. Nicht alles ist perfekt Zu große Abweichungen wiederum kommen einer wichtigen, aber anspruchs- vollen Kundengruppe nicht gelegen: den institutionellen Investoren. Sie pochen eher auf eine geringe Abweichung vom Index als auf eine umwenige Basispunkte höhere Rendite. „Ein auf die Performance opti- mierter ETF würde bei diesen Kunden wegen seines hohen Tracking Errors womöglich durchfallen“, sagt Hattwich. Studienautor Li weist selbst auf dieses Dilemma der ETF-Anbieter hin. Zudem seien die meisten Indizes als Indikatoren für die Marktlage und nicht als Investment- vehikel entworfen worden. Letztlich liegt es an den Kunden, wel- chen Weg sie vorziehen: eine möglichst exakte Abbildung des Index oder eine op- timierte Performance. „Am Ende lässt sich nur ein Kompromiss zwischen beiden Wegen einschlagen. Wie alles aus Menschenhand sind auch ETFs nicht perfekt“, resümiert Quirin-Mann Hatt- wich. Er setzt wiederum zum Seitenhieb auf das Abschnei- den aktiv gelenkter Fonds im Vergleich zu ihren Vergleichs- barometern an. „Diese hinken aktuell im Schnitt drei Prozent hinter der Marktentwicklung hinterher. Hier offenbart sich im Vergleich zu den geringen Einbußen bei einer Indexum- stellung ein deutlich größeres Optimierungspotenzial.“ SEBASTIAN ERTINGER FP » Wenn der Portfolio- manager eines ETF das Zeitfenster bis zur Indexaufnahme ausschöpfen würde, kann sich ein Tracking Error groß wie ein Scheunentor auftun. « Kai Hattwich, Quirin Privatbank Reger Austausch Handel mit Indexprodukten an der Börse Frankfurt Mit dem wachsenden Volumen gewinnt auch in Europa der ETF-Handel an Fahrt. Der Corona-März 2020 ragt besonders hervor. Quelle:DeutscheBörse I I ’19 I I I I I I I I I I I I 2020 I I I I I I I I I I I I 2021 0 5 10 15 20 25 30 35 40 Handelsvolumen von ETFs und ETPs (Börse Frankfurt) 31,3 Mrd. Euro 18,9 Mrd. Euro MARKT & STRATEGIE ETFs 110 fondsprofessionell.at 1/2022 FOTO: © SVEN SERKIS | QUIRIN PRIVATBANK

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