FONDS professionell Österreich, Ausgabe 2/2021

plan“ ins Leben gerufen, wo wir uns ver- pflichtet haben, ESG-Analysen in 100 Pro- zent der aktiv verwalteten offenen Fonds zu integrieren, sofern dies technisch mach- bar ist.Dieses Ziel wurde im ersten Quartal 2021 erreicht. Wir waren also schon gut aufgestellt. Wie hoch wird der Anteil von Artikel-8- und -9-Fonds der Österreich-KAG 2022 sein? Das Ziel liegt definitiv bei 100 Prozent. ESG spricht neue Kundenschichten an, ist aber auch ein Aspekt, um bestehenden Kunden einen weiteren Fonds zu verkau- fen. Wo liegt das höhere Absatzpotenzial? Da sehe ich zwei Ansatzpunkte. Erstens sind ESG-Produkte in der Beratung eine Chance, den Endkunden deutlicher zu zei- gen, was ihr Geld bewirkt. Davor basierte die Beratung auf Themen wie Anlageklas- sen oder geografischer Allokation und war vielleicht oft zu technisch. Zweitens haben wir jetzt eine längere Performancebilanz und können den Kunden beweisen, dass sie keinen Kompromiss zwischen Rendite und Nachhaltigkeit eingehen müssen. Die positive Korrelation von ESG und Perfor- mance zieht vor allem jüngere Leute an, die sich gleichzeitig über die Vorsorgelücke Gedanken machen müssen. ESG kann ein entscheidender Faktor sein, um ihr Inter- esse zu wecken. 2019 hatte Amundi Austria ungefähr 200 Retailfonds, jetzt rund 50. Wird es weitere Ausdünnungen geben? Amundi hat nach der Fusion die Palette optimiert. Nun bieten wir in Österreich 214 Fonds an, 49 davon sind lokale Invest- mentfonds. Einige werden noch wegfallen, hauptsächlich Laufzeitfonds, die ihr End- datum erreicht haben. Ansonsten haben wir die richtige Angebotsgröße mit klarem Nachhaltigkeitsfokus. Das Österreich-Team war ja zum Zeitpunkt der Übernahme bei ESG sehr fortgeschritten. Die beste Bestä- tigung: Der Investmentprozess des inter- national sehr erfolgreichen Flaggschiffs Amundi Funds Multi-Asset Sustainable Fu- ture basiert auf dem lokalen Amundi Ethik Fonds. Beide werden von Jörg Moshuber in Wien gemanagt. Der 1986 aufgelegte Amundi Ethik ist unser größter lokal ge- managter Fonds in Österreich. 2020 haben wir die Ethik-Familie um den Ethik Ausge- wogen und den Ethik Evolution erweitert. Wie lief 2020 insgesamt bei Amundi Aus- tria? Laut VÖIG gab es ein Minus, während die großen Konkurrenten im Plus waren. Diese offizielle Zählung berücksichtigt nur die österreichischen Fonds. Wir sind im Gegensatz zu den österreichischen Mitbe- werbern eine globale Plattform und bieten auch die Luxemburger Fonds und ETFs an. Insgesamt sind unsere Assets in Öster- reich inklusive der institutionellen Kunden um ungefähr sechs Prozent gestiegen. Ihr VorgängerWerner Kretschmer sagte im Jahr 2019, Amundi strebe in Österreich das Nummer-eins-Ziel an. Gilt das noch? Wir sind zuversichtlich, bei ESG-Produkten die österreichische Nummer eins zu werden. Und wir würden die europäische Nummer eins für ETFs,wenn Amundi Lyxor von der Société Générale übernimmt. Wann wollen Sie in diesen Bereichen der führende Anbieter sein? 2022 sollten wir die volle Ausbaustufe erreichen und der führende europäische Anbieter für ESG- und passives Geschäft in Österreich werden. Vielen Dank für das Gespräch. EDITH HUMENBERGER-LACKNER FP KURZ-VITA: Gabriele Tavazzani Studierte in Mailand Wirtschaft. Ab 1996 Crédit Agricole Group, 2009 bis 2015 Amundi Italien, bis 2018 Amundi Polen, dann Stellvertreter Amundi Austria, seit Mai 2020 CEO. » ESG-Produkte sind in der Beratung eine Chance, den Endkunden zu zeigen, was ihr Investment bewirkt. « Gabriele Tavazzani, Amundi Österreich fondsprofessionell.at 2/2021 213

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