FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2016
230 www.fondsprofessionell.de | 4/2016 nehmensberatung Oliver Wyman. Der Asset- Management-Experte hat auch eine Erklärung für das Phänomen parat: „Eine hohe Profita- bilität kann sich aus dem Zugang zu einem gebundenen Vertriebskanal ergeben.“ Fonds- häuser, die einer Bank- oder Versicherungs- gruppe entstammen, können ihre Produkte oft praktisch exklusiv über die Vertriebswege der Stammorganisation an Retailkunden verkau- fen. „Bei Publikumsfonds lassen sich nach wie vor hohe Margen erzielen“, erläutert Hüb- ner. Anders ausgedrückt: Es kommt für den Profit nicht allein auf die Leistung an, sondern auch auf die Vertriebsmacht. Wer nicht über einen Exklusivkanal für den Produktvertrieb verfügt, muss mit Leistung überzeugen. Gerade junge, unabhängige Häu- ser ohne historisch gewachsene Vertriebs- kooperationen brauchen hervorragende Pro- dukte, um eine Eintrittskarte in die Kunden- depots zu ergattern. „Einige Häuser, besonders die mit Boutiquecharakter, sind auf Gedeih und Verderb auf die Performance ihrer Pro- dukte angewiesen“, hält Oliver-Wyman-Con- sultant Hübner fest. Die Anbieter mit eigenem Vertriebskanal können sich bislang also in einer mehr oder weniger komfortablen Situation zurücklehnen. Doch das ändert sich. Auf exklusive Vertriebs- wege können sich die gebundenen Anbieter nicht mehr verlassen. Auch unabhängige Häu- ser, die bislang von einer überlieferten Part- nerschaft im Vertrieb profitierten, werden sich neue Wege suchen müssen. Kritische Größe Denn die striktere Regulierung, etwa mit der Finanzmarktrichtlinie Mifid II, lichtet die bisher verschleierten Vertriebsstrukturen und schlägt eine Bresche für mehr Transparenz. Üppige Provisionen und Gebühren, die bisher entlang der Produktionskette abgeschöpft wur- den, schrumpfen unter dem Blick der Öffent- lichkeit. Die geschlossenen Netzwerke wer- den sich öffnen müssen. Auch den Kunden ist seit der Finanzkrise kaum mehr vermittelbar, warum ein Kanal nur Produkte eines Hauses oder bevorzugter Partner empfiehlt. Und im Zuge der Regulierung wird es zunehmend schwieriger zu argumentieren, warumAnleger überhaupt noch aktive Fonds und nicht gün- stige Indexinvestments wählen sollten. Globale Häuser mit börsengehandelten In- dexfonds im Sortiment werden mit diesem Umbruch zurechtkommen. Auch für kleine Spezialisten wird es Platz geben. „Spitz aufgestellte und fokussierte An- bieter können auch künftig sehr profita- bel sein“, sagt Hübner. Eine Gruppe wird sich aber schwertun. „Die mit- telgroßen Manager sind oftmals zu wenig fokussiert. Es ist eine Kom- plexität entstanden, die sie sich nicht mehr leisten können“, sagt Hübner. Viele hegen den Anspruch, ihren Kunden ein lückenloses Angebot zu un- terbreiten. Doch angesichts der harten Konkurrenz ist der Aufwand an Perso- nal und Prozessen für ein breit gefächer- tes, aber mittelmäßiges Sortiment be- triebswirtschaftlich vielfach nicht mehr gerechtfertigt. Einzelnen Fonds fehlt die kritische Größe. Der Unternehmensbe- rater folgert daher: „Besonders in die- sem Bereich halte ich eine Konsolidie- rung durchaus für wahrscheinlich.“ In diesem Lichte erscheint die Fusion von Henderson und Janus gar nicht so überraschend. Beide Häuser weisen der Morningstar-Rangliste zufolge gute Pro- duktpaletten auf. Aber Klasse allein reicht nicht. Mit dem Zusammenschluss verschaffen sie sich auch die nötige Masse für Vertrieb und Effizienz, die mit über den wirtschaftlichen Erfolg entscheidet. SEBASTIAN ERTINGER | FP vertrieb & praxis I profitabilität und performance Foto: © Oliver Wyman Matthias Hübner, Oliver Wyman: „Einige sind auf Gedeih und Verderb auf die Produktperformance angewiesen.“ Starke Gewinne auch mit mittelmäßigem Sortiment Abschneiden der europäischen Produktpaletten und operative Gewinnmarge der Anbieter Eine starkes Sortiment bedeutet nicht immer ein profitables Geschäft. Umgekehrt spült auch ein mittelmäßiges Angebot Geld in die Kassen, sofern die Kosten im Zaum bleiben. Quellen: Unternehmensangaben, Morningstar | auf Basis der Zahlen zum zweiten Kalenderquartal 2016, wenn nicht anders angegeben; operative Marge auf Basis des nicht adjustierten operativen Gewinns | 1 eigene Berechnung; 2 erstes Halbjahr 2016 80 % 60 % 40 % 20 % 0 % 4 3 2 1 0 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % Columbia Threadneedle Deutsche AM Invesco Janus T. Rowe Price 2 Allianz GI Aberdeen Schroders 2 Henderson 2 Franklin Ressources Pimco Blackrock M&G 2 Amundi Jupiter 1,2 Anteil der Fonds mit 4 und 5-Morningstar-Sternen Morningstar-Anbieter-Rating (nach Volumen gewichtet) 71 % 30 % 62 % 66 % 70 % 35 % 69 % 66 % 46 % 65 % 83 % 79 % 64 % 54 % 72 % 4,04 3,20 3,49 3,80 3,78 2,82 3,81 3,82 3,35 3,78 4,08 4,21 3,74 3,72 3,99 50,8 % 49,7 % 49 % 41,8 % 38 % 35,7 % 35,1 % 35 % 32,2 % 30,6 % 27,2 % 27 % 25,3 % 24,3 % 20 % Operative Gewinnmarge
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